
Anmerkung: Dieser Artikel soll auch für Schülerinnen und Schüler verständlich sein; daher ist er ein bisschen ausführlicher.
Schulpolitik und damit die Entscheidung, welche Schulen es gibt und wer da hinein darf (das gilt übrigens für Schüler UND Lehrer!), liegt in den Händen des Bundeslandes; bei uns ist das Baden-Württemberg, und das Kultusministerium ist in Stuttgart, genauer: dort im Schloss, also Stadtmitte untergebracht. Wenn die Wähler nun eine neue Landesregierung gewählt haben, kann es sein, dass Schulen verändert werden. Am 27. März 2011 waren die letzten Landtagswahlen und da wurde die alte Regierung (mit CDU als führende Partei) durch eine neue ersetzt (mit Grüne und SPD an der Spitze). Während die alte Regierung an der strengen Aufteilung von Hauptschule - Realschule - Gymnasium festhielt, wollen die Neuen nun eine Gemeinschaftsschule einrichten.
Gemeinschaftsschule?
Gemeinschaftsschule bedeutet, dass Kinder länger zusammen lernen und nicht schon nach der 4. Klasse die Schule wechseln müssen. Da kann man weiterhin miteinander und voneinander lernen. Und: Wer weiß schon mit 10 / 11 Jahren, was er/sie später mal werden will? Und vielleicht braucht man ja noch ein bisschen Zeit, um noch leistungsfähiger, also besser in der Schule zu werden. Auch für Kinder mit Migrationshintergrund, die oftmals in Deutschland geboren sind, deren Eltern aber von einem anderen Land kommen, haben mehr Chancen, wenn sie längere Zeit auch mit richtig guten Schülern zusammen lernen. Wer schon mal einem anderen etwas beigebracht hat, weiß, dass man dabei auch ganz gut selber lernen kann.
OK, wird man da denken, aber was passiert mit den Kindern, die schon ganz früh sehr gut in der Schule sind? Als Argument für die Gemeinschaftsschule spricht, dass Kinder künftig stärker individuell gefördert werden sollen. Also so, wie jeder kann. Und die Guten können denen etwas beibringen, die alles noch nicht so ganz verstanden haben. Zudem soll es Lerngruppen geben. Außerdem könne man die Schulen untereinander vergleichen, sagen die Befürworter der Gemeinschaftsschule, und das sorge für Qualität. Schließlich wolle man damit bezwecken, dass jeder Schüler und jede Schülerin den jeweils bestmöglichen Bildungsabschluss erreiche. Immerhin: Die Gewinner der Pisa-Studie, die international Schülerleistungen miteinander vergleicht, haben allesamt ein Schulsystem, das so eine Art Gemeinschaftsschule ist.
Neu ist auch dieser Gedanke: Die Werkrealschule soll ausgebaut werden bis zur 13. Klasse.
Hallo! Kann man dann in der Neurottschule auch Abi machen kann? fragt sich da so mancher Lehrer und auch Schüler etwas überspitzt. Dazu müßte die Neurottschule halt alle Voraussetzungen für eine gymnasiale Oberstufe erfüllen, zum Beispiel durch Bereitstellung entsprechender Räume, fürs Gymi ausgebildete Lehrer und so weiter. Immer noch gilt: In welche Schule man geht, entscheiden die Eltern. Die sollen nämlich noch mehr Mitspracherechte haben. Ein Übergang in ein allgemein bildendes oder berufliches Gymnasium sei außerdem gegeben - und zwar in jeder Jahrgangsstufe, sagen die Politiker.
Wow! Großes hat man sich da vorgenommen! Alle zusammen!!! Auch an Behinderte hat man dabei gedacht - aber das steht zwar auf dem selben Blatt, ist aber trotzdem ein Thema für sich. Nur eines soll hier verraten werden: "Inklusion" heißt das Zauberwort in diesem Zusammenhang.
Wie diese Gemeinschaftsschule im Einzelnen, das heißt, für Schüler und Lehrer im Alltag, aussehen wird, wissen wir alle noch nicht. Das Schulgesetz soll bis Frühjahr 2012 geändert werden.
Eure Internetredaktion

Gabriele Warminski-Leitheußer (von der SPD)
Das ist Gabriele Warminski-Leitheußer. Sie ist die Kultusministerin von Baden-Württemberg und damit auch zuständig für unsere Schule. Übrigens: Von 2008 bis 2011 war sie sie Bürgermeisterin für Bildung, Jugend, Sport und Gesundheit der Stadt Mannheim.
Aber sie ist kein "Monnemer Blomaul", sondern kommt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen.
Mit 16 Jahren trat sie den Jungsozialisten bei, nach dem Abitur machte sie in Recklinghausen eine Inspektorenausbildung. Danach folgte das Studium der Rechtswissenschaften in Bochum, zu seiner Finanzierung arbeitete sie weiter als Sachbearbeiterin. Die ehrgeizige Politikerin sagt, die vielen Umzüge habe man "selbst einem Wellensittich" nicht zumuten können. Mit ihrem Ehemann, einem promovierten Chemiker, führte sie über viele Jahre eine Fernbeziehung.
In Mannheim, der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs, machte sie vor allem mit dem vielfach beachteten Bildungsprojekt „Maus - Mannheimer Unterstützungssystem Schule“ auf sich aufmerksam: Zur Unterstützung lernschwacher Schüler aus benachteiligten Familien kaufte die Kommune bei der Volkshochschule zusätzliche Unterrichtsstunden, die dann verwendet werden, um die Schüler an fast hundert Schulen individuell zu fördern.
Das Bundesland Baden-Württemberg reformiert sein Schulsystem: Mit dem Schuljahr 2010/2011 gibt es die "neue" Werkrealschule für die Klassen 5 - 8. Der durchgängige Bildungsgang ermöglicht damit an jeder Werkrealschule den Erwerb eines mittleren Bildungsabschlusses.
Die Werkrealschule ist im Gegensatz zur bisherigen Hauptschule mit freiwilligem 10. Schuljahr und darauf vorbereitendem Zusatzunterricht ein auf sechs Schuljahre angelegter Bildungsgang. Ziel der Werkrealschule ist der Erwerb des mittleren Bildungsabschlusses; er ist dem Realschulabschluss gleichwertig.
Diese Umstrukturierung der Hauptschule / Werkrealschule betrifft auch die Neurottschule Ketsch; seit dem Schuljahr 2010/2011 kommt der neue Bildungsplan ab Klasse 8 zum Einsatz.
Die Werkrealschule ist eine weiterführende Schule, die im Anschluss an die Grundschule in einem durchgehenden Bildungsgang bis Klasse 10 zur Mittleren Reife führt und dabei einen Hauptschulabschluss in Klasse 9 ermöglicht. Sie bereitet den Übergang in das duale Ausbildungssystem vor, schafft Grundlagen für eine gelingende Berufsausbildung und weiterführende berufliche Bildungsgänge.
Das besondere im neuen Bildungsplan sind drei Wahlpflichtfächer, die die Schülerinnen und Schüler in den Klassen 8 und 9 besuchen müssen. Schon zum Schuljahresende müssen sich die Schülerinnen und Schüler der (noch) Klasse 7 für eines der Wahlpflichtfächer entscheiden. Diese neuen Wahlpflichtfächer sind
Für die Wahlpflichtfächer werden zwei Wochenstunden anberaumt.
Infos zu den Wahlpflichtfächern → [KLICK]
Infos zu der Umstrukturierung auf dem Landesbildungsserver Baden-Württemberg → [ KLICK ]