

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 22. März 2006.
Mit Konzepten Gewaltbereitschaft in ihre Grenzen weisen
Kommunale Kriminalprävention Rhein-Neckar tagte in der Enderlegemeinde
/ Priorität: Netzwerke und Zukunftsorientierung
Von unserer Mitarbeiterin Anke Koob
Ketsch. Toleranz, Verantwortung, Prävention und vor allen Dingen Mut
- es bedarf nur wenig, um die Welt und damit das eigene Leben sicher zu machen.
Wenige Schlagwörter, für den Verein Kommunale Kriminalprävention
Rhein-Neckar aber ein umfassendes Konzept, in dessen Kontext die 183 Mitglieder
ihre individuellen Zeichen setzen. Kommunikation steht hierbei an vorderster
Stelle, der jährliche Gedankenaustausch im Rahmen der Mitgliederversammlung
- wie im katholischen Pfarrheim der Enderlegemeinde - praktizierte Netzwerkarbeit.
Zur großen Freude von Geschäftsführer Günther Bubenitschek konnten im vergangenen Jahr 17 neue Mitglieder begrüßt werden, zu welchen neben Vertretern aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Schule, Opferschutz, Polizei auch die Städte und Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis gehören. Allen gemeinsam ist ihnen der Wille, die Kriminalitätsverhütung "in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu stellen" und so Präventionsprogramme und Zukunftsprojekte "mit Leben zu erfüllen."
In seiner Begrüßung erinnerte Landrat Dr. Jürgen Schütz in seiner Funktion als Erster Vorsitzender des Vereins an die gemeinsame Verpflichtung, während Polizeidirektor Peter Klein die Arbeit des vergangenen Jahres in Stichworten präsentierte. So konnten, insbesondere durch private Spenden, Projekte und Initiativen wie das Marionettentheater "TrollToll" Altlußheim oder das Suchtseminar des Musikvereins Ketsch unterstützt werden. Im Rahmen einer Fachtagung "Lebensqualität und Sicherheit im Alter" hatten die Mitglieder die Themen "Objektive Gefährdungslage" und "Sicherheitsempfinden" der Senioren unter dem Aspekt der demographischen Entwicklung erarbeitet. Die Ausstellung "Dem Opfer ein Gesicht geben" des "Weißen Ringes" war ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit im Jahre 2005 gewesen.
Eine interdisziplinäre Fachtagung "Misshandelte Kinder - verarmte Seelen" hatte mit Referaten wie jenes von Prof. Dr. Franz Resch interessante Aspekte der Auswirkungen von Gewalt auf die emotionale Entwicklung von Kindern gebracht: "Egal, wo Gewaltverhalten anfängt: Es ist wichtig, dass sich alle Beteiligten fragen, wo jeder konkret helfen kann."
Gewalt in der Schule - ein weiteres und komplexes Gebiet der Forschung und täglichen Arbeit der Schulsozialarbeiter im Rhein-Neckar-Kreis. Mit nurmehr 27 Prozent der Gewaltdelikte insgesamt sei die Schule nicht mehr der Hauptaustragungsort. Dies sei der Erfolg hochqualifizierter Arbeit mit den Kindern sowie eine Sensibilisierung der Beteiligten wie Schulleitung, Lehrern und Eltern. Zum Thema präsentierten Marion Sandritter, Schulsozialarbeiterin der Neurottschule in Ketsch sowie Kai Lixfeld, Schulsozialarbeiter des Friedrichstifts Leimen, ihre Erfahrungen. An der Neurottschule werde Konfliktbewältigung im Rahmen von Unterrichtsstunden trainiert, begleitet durch einen polizeilichen Therapiehund. Für Leimen habe man sich für das Konzept der "Suchtpräventionstage" entschieden, griffen doch bereits Kinder der achten Klasse regelmäßig zu Alkohol, Tabak und Cannabis. Peter Klein jedoch mahnte, die zunehmende Vergreisung der deutschen Bevölkerung nicht aus den Augen zu verlieren: "Gerade hier wird Kriminalität als zunehmende Bedrohung empfunden, obschon ältere Menschen in den Statistiken kaum auftauchen." Dies sei begründet durch das Leben in einer Parallelwelt zwischen durch Medien geschürter Angst und der Realität. Daher müsse man auf aktives Präventionstraining setzen, wie im vergangenen Jahr bei der Heidelberger "Rüstig und Fit"-Aktion zur Verkehrssicherheit von 60- bis 80-Jährigen (zu finden auch unter www.praevention-rhein-neckar.de). Auch Sicherheitswochen wie im vergangenen Jahr in Schwetzingen sowie in 2006 für Wiesloch und Walldorf in Planung, unterstützten die Förderung eines subjektiv empfundenen, lebenswerten Umfeldes.
Das hervorragende Konzept und die beeindruckende Umsetzung quittierten die Mitglieder des Vereines mit der Bestätigung des Vorstandes in einer kurzen, demokratischen Wahl. So werden auch künftig Landrat Dr. Jürgen Schütz (1. Vorsitzender), Polizeidirektor Peter Klein (2. Vorsitzender), Sozialdezernent Heinz Bönisch (Schatzmeister), Bürgermeister Werner Oeldorf (Beisitzer), Kriminalhauptkommissar Günther Bubanitschek (Geschäftsführer) und Gabriele Geib (Rechnungsprüferin) als ausgewogener Querschnitt der im Verein vertretenen Personen oder Institutionen, diesem vorstehen.
© Schwetzinger Zeitung - 22.03.2006
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