Im Spiegel der Presse


Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil am 10. März 2007.

"Den Weg bereiten, dass es in einem Konflikt nur Gewinner gibt"


Neun engagierte Schülerinnen und Schüler nehmen ihre Aufgaben als Mediatoren ernst und wünschen sich Vertrauen


Ketsch. Schlechte Stimmung, Stress, Feindseligkeiten: Es bedarf manchmal gar nicht viel, um das Klima einer Schulklasse zu vergiften. Hier wird gelästert, dort geärgert und im Nu entflammt ein Streit, unter dem zumeist nicht nur die betroffenen Schüler leiden. Damit diese Situation kein Dauerzustand wird, ist Hilfe vonnöten: Die Mediatoren treten in Aktion und geben Anleitung zur dauerhaften Konfliktlösung.

Neun Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Klassen - im Alter von 12 bis 15 Jahren - haben an der Neurottschule die Ausbildung zu Mediatoren gemeistert und stellten gestern, im Rahmen der offiziellen Ernennung, ihre Beweggründe, Ziele und Aufgaben vor. Alle betonten ihr Interesse an der Streitschlichtung und lobten das Engagement des Lehrer-Mediationsteams, dessen Arbeit zum Mitmachen animiert habe. Dieses Team, bestehend aus Jasmin Dolpp, Helga Rinklef, Martina Rittershofer, Joachim Rumold und Schulsozialarbeiterin Marion Sandritter, hatte eine intensive Ausbildung zu Mediatoren absolviert und ist seit 2006 "im Einsatz". Im Verlauf des vergangenen Jahres hat es einiges zu tun gegeben: "Die Nachfrage ist hoch", erzählte Marion Sandritter im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Schüler sind nach den Gesprächen meistens erleichtert und suchen oft nach Möglichkeiten der Wiedergutmachung." Da der Vertrauenskreis zwischen Schülern enger als zu den Lehrern ist, sei es nun an der Zeit gewesen, auch Schüler zu Mediatoren auszubilden, um dieses Präventionsprogramm gemeinsam umzusetzen.

Und dass die neun Schülerinnen und Schüler mit spürbarer Begeisterung dabei sind und ihre Funktion als Mediatoren ernst nehmen, daran ließen sie gestern keinen Zweifel. Gewissenhaft und mit Nachdruck informierten sie über ihre Ausbildung und präsentierten sich selbstbewusst und offen den zahlreichen Gästen.

Tina Krupp erläuterte die beiden wichtigsten Regeln ihrer gemeinsamen Arbeit: "Wir wollen zusammenhalten und uns gut verstehen." Diese Grundvoraussetzung führt zu weiteren Fundamenten. Sebastian Uhrig nannte sie: "Niemanden ausschimpfen, auslachen oder beleidigen. Auch gilt es, die Meinung des anderen zu akzeptieren und Probleme offen anzusprechen."

Betül Acikel ergänzte: "Wir sind unparteiisch. Unsere Aufgabe ist es, die Kontrahenten bei der Lösungssuche zu unterstützen." Sibel Ayden: "Aus einem Konflikt geht jeder als Gewinner hervor."

Als Mediatoren müssen die Schüler jedoch auch den Streitparteien Regeln beibringen. "Wir machen gleich im Einleitungsgespräch deutlich, dass es wichtig ist, niemanden in Worten oder Taten zu verletzen und den anderen ausreden zu lassen", erklärte Melissa Stolinski.

Die Ausbildung war im Dezember (drei Tage im Ketscher Jugendtreff) und im Januar (zwei Tage in einer Jugendherberge in Neustadt) erfolgt. "Wir lernten in Rollenspielen, Gespräche zu führen: von der Einleitungs- bis zur Lösungsphase", berichtete Gülcin Tas. Hierzu gehörte unter anderem das Kennenlernen der Regeln und des Ablaufs einer Streitschlichtung. "Zuhören, nachfragen, Einfühlungsvermögen zeigen - alles das wurde mit dem Lehrer-Mediationsteam geübt", beschrieb Kastriot Selimi.

Ein feierlicher Moment zum Abschluss der Ausbildung war das Unterschreiben des Ehrenkodex' gewesen, der besagt: "Alle Termine einhalten, pünktlich sein, Schweigepflicht wahren und Vorbild sein für andere in der Schule und die Regeln des Streitschlichters pflichtbewusst befolgen", machte Selina Christ deutlich.

Bei den gestrigen Feierlichkeiten wünschten sich die jungen Mediatoren frohen Mutes, was Nilgün Otur stellvertretend aussprach: "Wir hoffen, dass uns Vertrauen entgegengebracht wird: seitens der Lehrer, dass sie an unsere Fähigkeiten als Mediatoren glauben und seitens der Schüler, dass sie den Mut haben, uns anzusprechen, wenn es Probleme gibt." sas

 

 

© Schwetzinger Zeitung - 10.03.2007

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