

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 20. April 2007.
Abc-Schützen erlaufen sich die eigene Selbstständigkeit
"Bus auf Beinen" in Planung: Kinder
erobern gemeinsam ihren Schulweg / Rektoren befürworten die Grundidee
des Projektes
Von unserer Mitarbeiterin Anke Koob
Ketsch. Geht es nach den Vorstellungen der Lokalen Agenda 21, dürfen
sich ab dem kommenden Schuljahr 2007/08 die Abc-Schützen der Gemeinde
ihren Schulweg auf ganz persönliche Weise erobern. Mit der Idee vom "Walking
bus", also dem "Bus auf Beinen" hatte sich in den vergangenen
Wochen der Arbeitskreis "Wohnen und Soziales" der Lokalen Agenda
an die Grundschulen gewandt und das aus England stammende Konzept präsentiert.
Bereits bundesweit in einzelnen Projekten etabliert, sieht die Idee vor, die
Grundschüler unter Aufsicht einer oder zweier Begleitpersonen per pedes
zur Schule und auch wieder auf den Nachhauseweg zu bringen. Der "Bus",
also die kleine Gruppe von Kindern, hält unterwegs an vorab als solche
bestimmten "Haltestellen" und nimmt weitere Schülerinnen und
Schüler auf. "Ein wunderbares Konzept, das verschiedene Ziele verfolgt",
erläutert Gerhard Schmidt vom Arbeitskreis der Lokalen Agenda. So würden
den Kleinen nicht nur die Zusammenhänge des Straßenverkehrs und
der eigenen Sicherheit verdeutlicht, sondern auch die sozialen Strukturen
genutzt, um die Kinder entspannt und munter in der Schule ankommen zu lassen
- inklusive Bewegung an der frischen Luft.
"Zehn Minuten reichen aus, um zu quatschen und Spaß zu haben",
so Schmidt. Ein Argument, das auch Manfred Hausen, Rektor der Alten Schule,
unterstützt: "Die Kinder können so tatsächlich einfacher
lernen, sich im Verkehr zurechtzufinden, haben Bewegung und lernen in der
Gruppe ihre eigene Selbstständigkeit kennen."
Das Stichwort "Selbstständigkeit" ist dabei für den Pädagogen
besonders bedeutend, denn er kann beobachten, dass es vielen Eltern sehr schwer
fällt, die Kinder in eben diese zu entlassen. So frequentieren an jedem
einzelnen Schultag wahre Konvois fahrender Mütter und Väter die
schmale Schulstraße im Herzen der Enderlegemeinde. "Fünf Autos
und die Straße ist verstopft", so der Rektor. Kein gutes Vorbild
auch für die Kinder, die maximal einen zehnminütigen Fußweg
zu der alten Schule haben. "Das legen die Schulbezirksgrenzen fest. Unsere
Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Bereich Bruch bis zur Goethestraße",
so Hausen.
Derzeit werden hier 64 Kinder in der ersten Klasse unterrichtet, für
das neue Schuljahr sind bereits 50 Abc-Schützen angemeldet. Für
genau diese Kinder soll das neue Konzept bereits greifen. Die Eltern erhielten
bei der Anmeldung Informationsbroschüren der Lokalen Agenda. "Unser
Kollegium unterstützt die Idee, aber grundsätzlich bleibt es eine
Sache der Eltern", so Hausen. Diesen obliegt es, Freiwillige in ihren
Reihen zu finden, die - im Turnus - die Kinder zur Schule bringen und auch
wieder abholen.
Der Schulweg wird hierbei in Zusammenarbeit mit der Polizei entwickelt, als
Sponsor für Sicherheitswesten könnte eventuell eine Krankenkasse
gewonnen werden, hofft Schmidt. Für denkbar hält er auch, Oma und
Opa einzubeziehen, "vielleicht ist sogar eine Kooperation mit dem neuen
Seniorenbüro der Gemeinde möglich." Sicherlich gibt es in Ketsch
den einen oder anderen Senior, der sich gerne bereit erklärt, die Kinder
zur Schule zu begleiten. "Überdies spart dieses Konzept allen Beteiligten
Zeit, Stress und schont die Umwelt", unterstreichen Manfred Hausen und
Gerhard Schmidt.
Auch an der Neurottschule wurde das Projekt bereits vorgestellt, Rektorin
Angelika Krieger allerdings ist noch skeptisch, ob es genügend Resonanz
geben wird: "Ich halte die Idee für sehr sinnvoll, aber viele Eltern
argumentieren, dass sie bereits Gruppen gebildet haben. Viele Mütter
oder Väter nehmen Kinder aus der Nachbarschaft im Auto mit."
Für Manfred Hausen hat das Projekt hingegen keinen Unverzüglichkeitsfaktor.
"Selbst wenn der 'Bus auf Beinen' jetzt klein beginnt, kann er sich zu
einer festen Institution der Zukunft entwickeln." Ein bisschen also ein
Schritt nach hinten, um zwei nach vorne machen zu können. Denn bereits
in der Vergangenheit liegen die Wurzeln des Projektes - wer erinnert sich
nicht daran, wie er einst selbst in kleinen oder größeren Gruppen
nach Schulende gerne durch die Straßen gestreift ist.
© Schwetzinger Zeitung - 20.04.2007 / Von unserer
Mitarbeiterin Anke Koop
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