

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 21. April 2007.

Vergangenheit am eigenen Leib zu spüren bekommen
Viertklässler der Neurottschule erlebten
das Mittelalter / Anschaulich-eindrucksvoller Projektabschluss mit "Amici
Ketz"
Von unserer Mitarbeiterin Anke Koob
Ketsch. Projektarbeit ist an den Grundschulen der Region ein wichtiges Element
des Lehrplanes. In den vergangenen drei Wochen beschäftigten sich die
Viertklässler der Neurottschule mit ihren Ahnen und damit dem Mittelalter.
Hierbei wurde eifrig geforscht, nachgelesen und es entstanden sogar ganze
Ritterburgen aus Pappe und viel Farbe. Mit leibhaftigen Rittern und Edlen
Damen aber hatte keines der Kinder gerechnet und so war es eine große
Überraschung, als am Donnerstag das Mittelalter im Musiksaal auferlebte.
Die Sache sah für Adrian verdächtig aus: "Den Helm haben sie
auch bei Star Wars getragen." Michael Weis grinste in Richtung seines
Harnisch, seiner Ritterrüstung: "Das haben die wohl von den Rittern
des Mittelalters abgeschaut." Wer nun von wem die phantasievolle Gestaltung
der eisernen Kopfbedeckung stibitzt hat, bleibt wohl - zumindest in der Phantasie
der Kinder wie Adrian - ungeklärt.
Wie hingegen die Kopfbedeckungen des Mittelalters aussahen, wissen die Kinder
der vierten Klassen der Neurottschule nun ganz genau: Englische Langbogenschützen,
französische Bodentruppen oder adelige Turnierritter - die Helme hatten
nicht nur die unterschiedlichsten Formen, sondern auch verschiedenen Nutzen.
Aufgereiht auf einer Holztruhe waren sie nicht nur nahe, sondern im wahrsten
Sinne des Wortes begreifbar. Eine ganze Ritterrüstung gar hatten Michael
Weis, Kim Reinhard und Sabine Urlau von "Amici Ketz" mitgebracht,
um den Kindern das Mittelalter mit all seinen Riten, Bräuchen und Alltagsdingen
näher zu bringen.
"An einer Grundschule haben wir bisher noch nie das Mittelalter lebendig
werden lassen", so Michael Weis. Dicht umdrängt und belagert von
den Viertklässlern der Kooperationsklasse entledigte er sich Stück
für Stück seiner Rüstung, zog das auf die Kinder "tonnenschwer"
wirkende Kettenhemd vom Körper, ließ die eisernen Handschuhe fallen
und das Streitschwert zu Boden sinken.
Für die zehnjährige Saskia aber versprühte der purpurfarbene
Samt des Kleides von Kim Reinhard ein Mehr an Faszination. Die Anprobe eines
dem Original nachgearbeiteten Kleides war jedoch Schwerstarbeit: "Ganz
schön warm ist es da drunter." Genau wie ihre Freundin Patricia
(ebenfalls zehn Jahre alt) setzt sie da lieber auch künftig auf Leggins
und T-Shirts, wenn der Sommer sich mit seinen hohen Temperaturen ankündigt.
Adrian hingegen schleppte das Kettenhemd durch den Musiksaal, beeindruckt
vom Gewicht, während Michael Weis die anderen Schülerinnen und Schüler
mit seinem "mittelalterlichen Feuerzeug" beeindruckte. Ein Stab
aus Feuerstein, der mittels des Dolches Funken sprühte.
Auch die Kräuterfrau Sabine Urlau erinnerte in ihrem Aussehen an längst
vergangene Zeiten. Mit im Gepäck hatte sie die "Süßigkeiten
des Mittelalters" - die Süßwurzel. Ein Holz, das nicht viel
gemein hat mit Mohrenköpfen und Gummibärchen und daher nach dem
ersten Kauen aus den Kindermündern wieder entschwand.
Faszinierender hingegen die Botschaft von der Kresse ("die hat ungeheuer
viel Vitamin C") und den Säckchen mit Gewürzen. "Lavendel
kenne ich aus dem Schrank meiner Oma", grinste einer der Schüler.
Was ist ein Beutelschneider? Was bedeutete die Redensart "den Senf dazu
geben" oder "den Löffel abgeben"? Auf all diese Fragen
hatte Michael Weis auch eine Antwort. Da waren sich die Kinder einig: Das
lebendige Mittelalter macht Spaß!
© Schwetzinger Zeitung - 21.04.2007 / Von unserer
Mitarbeiterin Anke Koop
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