

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 23. Mai 2007.
Ausgleich zum Unterricht: Spielen, klettern und toben
Ratsbeschluss: Kleiner Schulhof der Neurottschule wird umgestaltet und erhält einen Spielbereich für die Grundschüler
Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Janson
Ketsch. "Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen", erkannte bereits in der Antike der griechische Philosoph Sokrates. An dieser Weisheit hat sich bis heute nichts geändert. Und was für Erwachsene wichtig ist, gilt für Kinder umso mehr: Bewegung fördert die Entwicklung von Körper, Geist und Seele. Doch Spielen und Toben ist - gerade in der heutigen Zeit - nicht überall möglich, daher müssen eigene Bereiche geschaffen werden.
Die Enderlegemeinde geht hier mit gutem Beispiel voran. Was mit dem Spielplatz in der Edisonstraße seinen gelungenen Anfang nahm und im Kindergarten "Regenbogen" engagiert weitergeführt wird, soll nun auch an der Neurottschule Wirklichkeit werden: eine selbstgestaltete Spielfläche für Grundschüler. Bürgermeister Jürgen Kappenstein brachte es in der Gemeinderatssitzung am Montagabend auf den Punkt: "Kinder stoßen fast immer und überall auf Verbote und Einschränkungen. Daher ist es von großer Bedeutung, ihnen auch Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sie sich frei entfalten können."
Dass der Bedarf an Bewegung vor allem während der Unterrichtszeit am Vormittag zunimmt, steht außer Frage. "Die Kinder brauchen einen Ausgleich zum Sitzen", hob Kappenstein hervor und kam auf den kleinen Schulhof für die Grundschüler der Neurottschule zu sprechen. "Der triste Betonboden gibt nichts her, um sich sinnvoll und gefahrenfrei bewegen zu können." Die Neurottschule beherberge neben der Grund- und Hauptschule die Kernzeitbetreuung, in der insbesondere Schüler der Klassen 1 bis 4 auch zu außerschulischen Zeiten betreut werden. "Von Seiten der Betreuungskräfte und der Elternschaft wurde angeregt, eine geeignete Grünfläche umzugestalten und kindgerechte Spielmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen." Leider seien derzeit auf dem Gelände der Neurottschule keine Möglichkeiten vorhanden, die eine entsprechende Betätigung der Kinder während der Schulpausen zulassen.
Das Büro "Stadt + Natur", das von der Neugestaltung des Spielplatzes Edisonstraße und des Außengeländes des Kindergartens "Regenbogen" bekannt sei, habe einen Gestaltungsentwurf erarbeitet. Die auf dieser Grundlage geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 40 000 Euro, "wobei durch Eigenleistung und Elternbauaktionen eine erhebliche Kostenreduzierung zu erwarten ist", unterstrich Kappenstein. Der geplante Spielbereich, der keine Spielgeräte enthält, sondern mit Hügel, Atrium, Balancierstrecken und Klettermöglichkeiten (Baumstämme aus dem Ketscher Rheinwald) zum Bewegen animieren soll, wird ausschließlich der schulischen Nutzung zur Verfügung stehen.
Im Gremium wurden verschiedene Kontrollmöglichkeiten diskutiert. Das ohnehin kleine Gelände auch noch einzuzäunen, wurde als nicht sinnvoll erachtet. "Die Kinder würden sich wie im Gefängnis fühlen", merkte Kappenstein an. Der Spielbereich soll offen bleiben, aber mit Schildern versehen werden, die auf das Nutzungsverbot außerhalb der Schulzeiten hinweisen. Der Hausmeister wird den Bereich kontrollieren. "Ihm gestehen wir aber einen Ermessungsspielraum zu. Wenn ein Kind nur über die Baumstämme läuft, wird es sicher keine Verwarnung geben, wenn die Fläche hingegen länger und gleichsam als Aufenthaltsbereich genutzt wird, werden wir handeln", sagte Kappenstein.
Aufgrund ständiger Beschwerden von Anwohnern über Lärmbelästigungen, die vom Schulgelände ausgehen, wurden im Vorfeld die akustischen Auswirkungen auf die Umgebung untersucht. Das endgültige Ergebnis liegt noch nicht vor, "vorab kann jedoch davon ausgegangen werden, dass keine erheblichen Belästigungen hervorgerufen werden". Um den Geräuschpegel am Schulhof zu senken, wird der "rote Platz" außerhalb der Schulzeiten geschlossen. Als Ausgleich dafür hat die Gemeinde den Bolzplatz an der Walldorfer Straße neu angelegt: als pflegeleichten Hartplatz, der nachts bewässert wird, um den Staub zu reduzieren. "Wir hoffen auf eine rege Nutzung dieses Bolzplatzes."
Monika Gaa (CDU) hob hervor, dass der geplante Spielbereich die Schule in der Umsetzung ihrer Lernziele unterstützt. Auch Joachim Hartung (SPD) bewertete das Projekt als zweckmäßig und sinnvoll und erinnerte daran, dass Kinder keinen Knopf zum Ausschalten haben. Im Hinblick auf die Bedenken der Anwohner gelte es, Vorsorge zu treffen, dass der Spielbereich außerhalb der Schulzeiten nicht benutzt wird. Frank Müller (FWV) hob hervor, dass es wichtig sei, dem Bewegungsdrang der Kinder ein "Ventil" zu geben und Detlev Lorentz (FDP/KL) begrüßte es, dass die Grundschüler eine kindgerechte Spielfläche erhalten und nicht mehr länger nur auf Betonboden spielen müssen.
Einstimmig beschloss das Gremium, besagte Grünfläche umzugestalten. Mit der Aktion soll am 7. Juli begonnen werden.
© Schwetzinger Zeitung - 23.05.2007 / Von unserem
Redaktionsmitglied Sabine Janson
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