

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 6. Juli 2007.
Der Notfall hat viele rettende Hände
SZ-Serie: "Sicher groß werden", Teil 3: Ausgearbeitete Krisenpläne an Ketscher Schulen
Von unserem Redaktionsmitglied Anke Koob
Ketsch. "Kindersicherheitstag 2007" - das suggeriert eine kurzfristige, relativ unverbindliche Angelegenheit, wird doch in Deutschland jeder einzelne Tag einer Sache gewidmet. Das reicht vom "Tag des Bieres" bis zum "Tag des offenen Unternehmens". Geht es aber um die Sicherheit der Kinder, so bleibt jeder Tag der wichtigste. In diesem Jahr steht der von der "Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder" in Bonn ausgelobte Aktionsraum daher unter dem Motto "Mit Kinder leben - aber sicher".
Kinder geraten oft genug in verhängnisvolle Situationen. Die Hitliste der Unfallrisiken führt aber die Schule an. In diesem geschützten Raum passiert viel und wird zugleich vieles verhindert. Aufgeschlagene Knie oder eine kleine Schnittwunde sind jedoch verhältnismäßig harmlos gegen die Gefahr eines Brandes oder eines Unfalles, der gleichzeitig viele Schülerinnen und Schüler betreffen kann, beispielsweise bei einem Problem in den naturwissenschaftlichen Räumen einer Schule. Krisen, die hoffentlich in Ketsch niemals vorkommen mögen. Die Frage aber drängt sich dennoch auf: Was passiert, wenn es passiert? Wenn der Ernstfall eintritt?
Viele Eltern von Grund- und Hauptschülern erinnern sich vielleicht noch selbst an ihre Schulzeit. Dort gab es eine reguläre Brandübung. Einmal pro Jahr löste der Hausmeister die Alarmsirene aus, dann folgte der mehr oder minder formierte Abmarsch aus den Klassenräumen in den Schulhof. Dort wurde dann ausgezählt und weiter gekichert, bis der Schulleiter Entwarnung gab. Keine Feuerwehr, keine realistische Szenerie. Es war eine schöne Welt. Heute ist das anders. Vor rund einem Jahr hatten das Innenministerium und das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg eine "Gemeinsame Verwaltungsvorschrift über das Verhalten an Schulen bei Gewaltvorfällen und Schadensereignissen" an die Schulen des Landes ausgegeben und damit konkrete Vorgaben zum Ablauf gefordert.
Für die 39 Pädagoginnen und Pädagogen der Neurottschule Ketsch eine Aufgabe, mit der sie nicht alleine gelassen wurden, wie Schulleiterin Angelika Krieger im Gespräch mit unserer Zeitung betont: "In intensiven Gesprächen mit den Rettungskräften vor Ort konnten wir unseren individuellen Krisen- und Rettungsplan erarbeiten." Voraussetzungen für diese Zusammenarbeit schuf das Landratsamt Heidelberg als untere Behörde.
"Wir haben alle Schulleiter in unserem Bezirk unterrichtet, mit ihnen die Erfordernisse eines Rahmenkrisenplanes durchgesprochen", unterstreicht Brigitte Frei. Die leitende Schulamtsdirektorin am Landratsamt Heidelberg weiß auch, dass dieses Vorgehen "den Schulen Handlungssicherheit geben soll". Sicherheit im Hinblick auf die individuelle Situation, wie Polizeihauptkommissar Hubert Böllinger bestätigt. Der Leiter des Polizeireviers Schwetzingen kann so künftig - genauso wie das Schulamt - im Notfall konkret agieren. So werden zu jedem neuen Schuljahr die aktuellen Schülerzahlen von der Schule weitergegeben, liegen Raum- und Fluchtpläne allen Rettungsdiensten vor. Für die Schulleitung ein Plan, der tatsächlich Sicherheit schafft, weiß sie doch nun genau, wie sie zu agieren hat und kennt Hierarchien sowie Verhaltensregeln.
Neu ist beispielsweise, dass der Marsch aus dem Haus nicht mehr im Schulhof endet, sondern rund 500 Meter weiter auf dem offenen Feld - zwischen Narzissenweg und Jägerndorferstraße. So können die Rettungskräfte die Schule sichern, kommt kein Mensch unnötig zu Schaden. Die große Entfernung macht Sinn, beruhigt sie doch die Kinder und lässt auch herbeigerufene Eltern - viele der derzeit 450 Schülerinnen und Schüler der Neurottschule tragen schließlich ein Mobiltelefon mit sich - sich nicht in Gefahr begeben. "Dieses Konzept greift ebenfalls an der Alten Grundschule", so Hubert Böllinger, dessen Mitarbeiter gemeinsam mit den Sanitätsdiensten, der Gemeindeverwaltung (sie ist der Schulträger) sowie der Freiwilligen Feuerwehr Ketsch die Pläne erarbeitet haben.
Sicher ist aber erst sicher, wenn einmal der Notfall simuliert wurde. "Wir werden zum neuen Schuljahr eine erste Probe erleben", so Schulleiterin Krieger. Ein heißer Herbst also, der hoffentlich allen Beteiligten das größte Maß an Sicherheit bringen wird.
© Schwetzinger Zeitung - 06.06.2007 / Von unserem
Redaktionsmitglied Anke Koob
- nach oben -