Im Spiegel der Presse


Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil am 1. Oktober 2007.

Von A wie Apfelbaum bis W wie Weißdorn

Neurottschüler erkundeten die Natur: Wissenswertes rund um Bäume und Sträucher


Ketsch. "Wir wollen mit der Veranstaltung das Naturbewusstsein der Schülerinnen und Schüler schärfen. Nur wenn man weiß, wie etwas funktioniert, verhält man sich rücksichtsvoll. Das ist bei Kindern nicht anders als bei Erwachsenen", erklärte der Umweltbeauftragte der Gemeinde, Manfred Haaf. Schülerinnen und Schüler der Klassen 5b und 6a der Neurottschule erlebten mit ihren Lehrerinnen Gudrun Ledule, Jasmin Dolpp und Julia Kraul fachkundigen Naturkundeunterricht auf dem Neurott-Lehrpfad nahe der Schule.

Die Grünanlagen Neurott reichen vom Friedhof bis zum Sportplatz, sie werden extensiv gepflegt. Das bedeutet zweimaliges Mähen der Rasenflächen pro Jahr, wobei das Aussamen der Blumen und Pflanzen ermöglicht wird. Manfred Haaf stellte den Sachverständigen für Baumstatik, Dirk Baumgärtner, vor. Die Aufgabe des Experten sei es, alle 4200 gemeindeeigenen Bäume abzulaufen und auf Schäden oder Gesundheit zu kontrollieren.

Der Neurott-Lehrpfad wurde vor zehn Jahren angelegt und mit Steuergeldern finanziert. Mehrmals sei in der Anlage, durch Vandalismus, Abreißen oder Bemalen von Schildern und Abknicken oder Umtreten von Anpflanzungen, erheblicher Schaden entstanden. Dies müsse die Allgemeinheit bezahlen, gab der Umweltbeauftragte den Schülern zu bedenken.

Dirk Baumgärtner bezog die Kinder in seine Erläuterungen mit ein und ließ anfangs klären, warum überhaupt ein Lehrpfad notwendig sei, was Menschen davon haben und wie er aussieht. Sie kamen auch überein, dass Fichten und Kiefern Nadeln tragen, im Unterschied zu den Blättern an Buchen, Eichen und Linden. Die herbstlichen Blattfarben der "Gemeinen Trauben-Kirsche" von grün bis rot und gelb beschäftigte die Gruppe. Ab Herbst ziehen sich die Nährstoffe in die Wurzeln zurück, unversorgte Blätter verfärben sich, vertrocknen, fallen ab.

Weiterhin steht der botanische Namen in lateinischer Sprache auf der Tafel, und der Naturfreund kann neben dem Verbreitungsgebiet darauf auch lesen, welche Höhe das Gewächs erreichen kann und in welchem Umfeld es am besten gedeiht. Vorbei an üppigem Weißdorn und Pfaffenhütchen stand der Feldahorn, dessen handgroße Blätter an der Unterseite in knubbelartigen Gebilden Insekteneier beherbergten. Die Hundetoilette aus Edelstahl erkannten die Schüler richtig als Endsorgungsmöglichkeit für die stinkende Hinterlassenschaft der Vierbeiner. Spätestens ab dort schnupperten sie den üblen Geruch rechts und links des Weges und richteten bei jedem Schritt den Blick auf den Boden - man weiß ja nie. . .

Die "Gemeine Eibe" ist langsamwüchsig, wird bis 20 Meter hoch, findet auch als Hecke Verwendung, ist aber giftig. Die roten Früchte sind den Vögeln willkommene Nahrung. Die Robinie nebenan, auch Scheinakazie genannt, erkannte der Sachverständige als krank. 90 Prozent der Bäume in Städten und Gemeinden seien krank, die übrigen zehn Prozent sind Neupflanzungen, heißt es in Fachkreisen. Die Gletitsche mit gelben Blättern ähnelt der Robinie, Zweige sind stachelig, auffällig die langen reifen Schoten mit den braunen Samen darin. Die Hainbuche, nicht zu verwechseln mit der Rotbuche, kämpft ums Überleben, hat Sonnenbrand.

Die Früchte des Bergahorn sinken wie Propeller zu Boden, wie die Schüler ausprobieren konnten. Im Frühjahr finden Bienen bei der Salweide erste Nahrung. Die Zweige werden gerne zu Ostersträußen gebunden. Der echte Walnussbaum hatte bereits Knospen für das nächste Jahr angelegt. Der Weiße Maulbeerbaum wird bis zu 15 Meter hoch, die Früchte sind essbar. Hier wurde er schlecht gepflanzt, was am verkümmerten Haupttrieb sichtbar war.

Der Apfelbaum mit weit ausladender Krone ist abgestorben, er hatte im Frühjahr noch geblüht, Krankheit ist unbekannt. Sie marschierten weiter an der Silberpappel und Mispel vorbei zur Kastanienreihe. Die gezüchtete Art Kastanien wies an den Fruchtschalen keine Stacheln auf. Am Baumhasel waren Früchte und Pollen für das nächste Jahr zu erkennen.

Dann ging es noch darum, wie alt Bäume werden können. Zum Beispiel können die schnellwüchsigen Pappeln 100 Jahre erreichen, Linden bis 600 Jahre und Eichen mehr als 1000 Jahre. Zu den ältesten Bäumen sollen Mammutbäume in Amerika und Eukalyptusbäume in Australien zählen, wusste Dirk Baumgärtner.

Der Neurott-Lehrpfad ist zu jeder Jahreszeit einen Spaziergang mit offenen Augen wert, und die Schülerinnen und Schüler versprachen, zukünftig die Natur bewusster zu betrachten. gp


© Schwetzinger Zeitung - 1.10.2007

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