Im Spiegel der Presse


Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil am 1. Oktober 2007.

Von kleinen Blutsaugern und großen Piraten im Urwald

"Die Schokoladenbande" lässt grüßen: Illustrierte Geschichten, die begeistern / Autorenlesung hält Grundschüler in Atem


Von unserem Mitarbeiter Kay Müller


Ketsch.Seit wann er als Jugendbuchautor tätig ist? Genau genommen schon seit dem Studium, antwortet Tino auf die Frage eines Zweitklässlers. Seine selbsterfundenen Geschichten habe er schon seinerzeit als Zivildienstleistender im Kindergarten den Heranwachsenden erzählt.

Irgendwann hat er sie aufgeschrieben, zudem illustriert, an einen Verlag für Kinderbücher geschickt und schon bald danach stand sein Erstlingswerk in den Regalen der Buchhändler. Tino, so der Künstlername des gebürtigen Augsburgers, war für alle zweiten Klassen der Neurottschule zu dieser Autorenlesung eingeladen worden.

Dies soll, so war zu hören, zur steten Einrichtung werden - und wenn alle Lesungen so begeisternd auf die Grundschüler wirken wie jene am Montag, dann ist das Ziel mehr als erfüllt, dann dürften alle dazu ermuntert werden, einmal ein Kinderbuch in die Hand zu nehmen.

Mit erstaunlichem pädagogischen Feingefühl und nicht zuletzt mit großem komödiantischen Talent nimmt Tino seine jungen Zuhörer mit auf seine fiktive Reise in den Urwald Indiens. Was er dort alles erlebt hat, man mag es kaum glauben. Er berichtet davon, wie ihn ein riesiges Tier, pardon, ein Blutegel angefallen hat und er dem kleinen Blutsauger den "Hintern verkohlte". In beinahe szenischem Schauspiel macht er deutlich, wie sich eine Affenbande über die gesamte mitgebrachte Nahrung hermachte und er findet wunderbar den Übergang zu seinem ersten an diesem Morgen vorgestellten Buch "Die Schokoladenbande". Diese Geschichte spielt nämlich auch in Indien und klar, darf der große Piratenkoffer und die Schatzkiste in Miniaturform nicht fehlen.

Gekonnt baut er Spannung auf, als eine junge Dame zu ihm kommen darf, um nachzuschauen, was sich denn in jener Kiste befinden könnte. Erstaunt zeigt er sich, dass einer der Zweitklässler schon weiß, was ein Dreispitz ist. Genau, ein Hut mit drei Ecken! Kurze Zeit später steht Tino als waschechter Pirat, mit Säbel und Seidenschal bewaffnet, vor den Heranwachsenden. Selbstredend dürfen ihn die Schüler an diesem Morgen im Musiksaal alles Mögliche fragen. Sie erfahren dabei, dass er einen Sohn hat, dass er als Kind Clown, dann Rockstar werden wollte und dass er seine besten Ideen in der Badewanne entwickelt. Ein wenig Milch, sehr viel Schaum: so lasse es sich leben. Bekannt ist der heute in der Nähe von Karlsruhe lebende Autor für sein Talent, neben seiner Schreibkunst auch noch die Geschichten anderer zu illustrieren. Als Pirat hält er selbstverständlich einen schmucken Schatz in Händen. Der würde bestimmt auch Amelie gefallen, der kleinen Heldin seines neuesten Werks mit dem Titel "Mein Freund, der Delphin". Mit Dia-Aufnahmen visualisiert Tino geschickt das Gesprochene und alle erfahren, dass Amelie zu gerne einmal auf die Insel der Delphine gehen würde. Über Umwege macht sie Bekanntschaft mit einem der jungen Meeressäuger.

Es dauert nicht lange und beide werden Freunde. "Onno", so heißt der junge Delphin, dessen Mutter verletzt aufgefunden wurde, wird dabei nicht nur zum Spielkameraden, sondern ebenso zum Retter, auf den sich Amelie blind verlassen kann


© Schwetzinger Zeitung - 10.10.2007

- nach oben -