

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 15. Oktober 2007.
Eifrige Schnäppchenjäger auf Erfolgskurs
Flohmarkt-Kaufvergnügen an mehr als 100 Ständen / Erlös kommt Neurottschule zugute
Von unserer Mitarbeiterin Vanessa Schäfer
Ketsch. Wildes Treiben auf dem Gelände der Neurottschule: Wo sonst in der großen Pause Grundschüler spielen, Teenager ihre Neuigkeiten besprechen oder vorsichtige Küsse mit der ersten großen Liebe austauschen, geht es ganz anders zu: Eine junge Mutter wühlt sich durch einen Klamottenberg, um ganz unten einen Pullover in der Größe 86/92 herauszufischen, eine andere legt ihrem Kind eine Hose an und wieder eine andere zerlegt den Holzkaufladen, den sie gerade ergattert hat, in Einzelteile.
So voll wie an diesem Tag ist es auf dem Gelände der Neurottschule sonst nur zum Schulschluss, wenn die über 400 Schüler aus dem Gebäude stürmen und sich auf ihren Nachhauseweg machen. Dieses Mal sind die Eltern angetreten - und zwar zur Schnäppchenjagd auf dem Flohmarkt, den der Förderverein der Schule zweimal im Jahr organisiert. Mehr als 100 Stände locken mit einem vielfältigen Angebot.
"Wir haben hier seit Jahren einen hohen Andrang, sowohl an Ausstellern als auch Besuchern", so Ellen Redecker, Vorsitzende des Fördervereins. "Denn mit unserer Standgebühr von fünf Euro pro Tisch und zwei Euro pro Kleiderständer sind wir recht günstig." Doch die Einnahmen aus Standgebühren und dem Verkauf von Kuchenspenden in der Schulaula fließen nicht in die eigene Tasche. Die kommen bereits seit der Vereinsgründung vor 17 Jahren den Schülern zugute. "Die Gelder gehen ausschließlich zur Schule zurück, so dass jedes Kind davon profitiert", erklärt Redecker. Unter anderem können damit Klassenfahrten sowie der Besuch von kulturellen Einrichtungen bezuschusst, aber auch Lehrmaterialien wie Bücher, Beamer oder Musikinstrumente angeschafft werden.
Eine gute Sache also. Das hat auch Claudia Wehland erkannt, die bereits zum vierten Mal als Ausstellerin mit dabei ist. "Zu Hause findet sich immer wieder etwas, das man selbst nicht mehr braucht. Bevor man dann die Sachen wegwirft, kommt man lieber hierher und schaut, ob es vielleicht noch jemand brauchen kann", so die zweifache Mutter hinter ihrem Verkaufstresen. Ihr Sohn Tim, der in die vierte Klasse der Neurottschule geht, sitzt nebenan, einen großen Teppich vor sich ausgebreitet, auf dem sich Sammelkarten befinden. "Er unterstützt mich tatkräftig und verkauft seine Yu-Gi-Oh!-Karten", lacht Wehland.
Neben Sammelkarten sieht man noch allerlei anderes, wenn man über den Flohmarkt schlendert: Diddl-Mäuse, Hörspielkassetten, Brettspiele, Puzzles und Barbiepuppen, aber auch Kinderautositze, Babysafes und Laufräder. Doch eines haben alle Stände gemeinsam: Berge von Kinderkleidung. So mancher Stand erinnert hierbei ein bisschen an einen Wühltisch im Kaufhaus, andere Aussteller üben sich dagegen als professionelle Verkäufer und haben die Kleidung sogar nach Größen sortiert.
Extraservice kommt bei Schnäppchenjägern ebenfalls gut an. "Ich lege die Kleidung hier immer in der Kombination aus, wie ich sie meiner Tochter früher am liebsten angezogen habe", erzählt die nette Blondine, die bei der Kleiderwahl gerne mit Rat zur Seite steht.
Etwas gelassener geht es bei Johannes Hurst zu, dessen Sohn Lennart die erste und dessen Tochter Alena die dritte Klasse der Neurottschule besucht. Er ist auf dem besten Weg, ein "Flohmarktjunkie" zu werden. "Es macht mir unheimlich viel Spaß zu verkaufen und zu handeln", erklärt der Familienvater, der zum dritten Mal am Flohmarkt teilnimmt. Vor seinem Tisch findet sich eine wahre Rarität. Da ist ein original knallrotes Bobby-Car eingeparkt, das einen neuen Fahrer sucht.
© Schwetzinger Zeitung - 15.10.2007
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