

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 06. Mai 2009.
Schillerschule: Schülerinnen und Schüler aus Brühl, Ketsch und Oftersheim im "PraxisParcours"
Brühl/Ketsch/Oftersheim. "Ich kapier' des nicht", seufzt eine Schülerin, aber sie versucht weiter die "Zauberkugel" zusammenzusetzen. Das zeigt ihr Interesse an dieser technischen Aufgabe - und darauf kommt es an. Mit dem Projekt "PraxisParcours" will das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg Schüler, vor allem von Hauptschulen und im Besonderen Mädchen, für technische und handwerkliche Berufe begeistern und gewinnen. Seit der Pilotphase 2005 läuft das Projekt erfolgreich an bisher über 50 Schulen. Zum ersten Mal machten jetzt die Schillerschule Brühl, die Neurottschule Ketsch und die Theodor-Heuss-Schule Oftersheim mit.
Das Projekt wird von der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg, und vom Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert und seit drei Jahren im Auftrags des Landeswirtschaftsministeriums, Referat Frauen und Technik, von der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (EVA) durchgeführt. "Viele Betriebe wünschen sich ganz bewusst Mädchen für diese Ausbildungsberufe", weiß Projektleiterin Maria Süßenguth (EVA), "im Allgemeinen arbeiten sie genauer, gewissenhafter und sind dabei auch noch sozial kompetent" - vorteilhaft für den zwischenmenschlichen Umgang in Berufsschule und Betrieb. Und in den relevanten etwa 30 bis 40 Berufsfeldern gebe es noch Kapazitäten für Ausbildung und Beschäftigung, während typische Frauenberufe oft überfüllt seien.
Insgesamt 160 Schülerinnen und Schüler aus den achten bis zehnten Klassen der genannten drei Haupt- und Werkrealschulen absolvierten in der Sporthalle der Schillerschule in jeweils rund zweieinhalb Stunden den "PraxisParcours". An 20 Tischen mit jeweils vier bis sechs Plätzen warteten verschiedene Aufgaben aus den betreffenden Ausbildungsberufen auf die Mädchen und Jungen, etwa die Hälfte der Stationen wurde dabei von Lehrkräften aus den drei Schulen betreut. Es kam nicht darauf an, sämtliche Stationen zu schaffen, wenngleich das manchen gelang. Ohne Wettbewerbsdruck konnten sich die jungen Leute den interessant, teils regelrecht spannend gestalteten Aufgaben widmen. Mit vorgegebenen Punktzahlen bewerteten sie dann selbst ihre Leistung. Als zweite Parcours-Spezialität bekamen am Ende die Lehrer für jede(n) Schüler(in) einen "Laufzettel" zur Verfügung gestellt, anhand dessen sie bei besonderer Begabung und/oder Neigung für technische Berufe die Schüler zu einem Bewerbungstraining einladen. "Die Aufgaben haben gefesselt, die meisten hat der Ehrgeiz gepackt", hatte Dorothea Schulte, Konrektorin der gastgebenden Schillerschule, den Eindruck, dass der, auch sehr harmonisch verlaufene, Praxistest "die Schüler sehr angesprochen hat". Schulte: "Eine sehr positive, lohnenswerte Sache", die man in irgendeiner Form fortführen wolle.
Und zum eingangs erwähnten "Kapieren": An der Station "Piepser anschließen"(Stromkreis herstellen für einen funktionierenden Taster) zum Beispiel ging es um gleich drei Berufsfelder: Elektroniker, Mechatroniker, Ingenieur. "Die Mädchen stellen sich hier viel besser an als die Jungs", stellte Branka Rubic (EVA) fest - nach ihrer Beobachtung gilt das für viele der Stationen. PI
© Schwetzinger Zeitung - 06.05.2009
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