

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil am 08. Oktober 2009.
Gestern auf dem Marktplatz: Ketsch gewinnt die "Stadtwette" gegen Radio Regenbogen / Tausende Bürger im Piratenfieber
Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Janson
Ketsch. Piraten, so weit das Auge reicht! Der Marktplatz und die Straßen im Herzen der Gemeinde ließen gestern Mittag die Film-Trilogie "Fluch der Karibik" lebendig werden und im Nu stellte sich die Frage: "Ist Captain Jack Sparrow womöglich auch da?" Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Dort, auf dem Piratenschiff, steht er in voller Größe!"
Schauspieler Johnny Depp hätte seine Freude daran gehabt, und auch Bürgermeister Jürgen Kappenstein, der in diese Rolle geschlüpft war, schien es sichtlich Spaß zu machen. - Doch halt, drehen wir die Zeiger der Uhr noch einmal zurück auf gestern Morgen, denn um diese Zeit fing alles an und nahm das Schicksal seinen Lauf ...
7.13 Uhr: Radio Regenbogen gibt über den Äther die "Stadtwette" bekannt: Die "Morgen-Macher" wetten, dass Ketsch es nicht schafft, bis Mittag 1000 Seeräuber auf den Marktplatz zu bringen, dazu ein zehn Meter langes Schiff, eine Schatzinsel sowie eine Spelunke. Und als Krönung: Um 12 Uhr soll Jack Sparrow auf dem Marktplatz die Piratenflagge hissen.
Die Enderlegemeinde hatte sich bei Radio Regenbogen beworben und in den vergangenen Tagen und Wochen Vorbereitungen für den "Tag X" getroffen. So hatte gestern das Rathaus geschlossen, Mitarbeiter und Bauhof standen bereit und die Telefone wollten glühten. Auch in den Ketscher Kindergärten warteten die Mädchen und Jungen gespannt darauf, bis das Thema der Wette bekannt gegeben wurde, und viele Ketscher Schüler hatten die Erlaubnis erhalten, zu Hause bleiben zu dürfen, um bei der Stadtwette mitzumachen.
8.30 Uhr: Seit einer Stunde herrscht auf dem Marktplatz emsiges Treiben. Sand wird aufgeschüttet, Palmen werden herbeigeschafft und die ersten Piraten huschen durch das Szenario.
9.45 Uhr: Im Radio ist Ketsch fast unermüdlich präsent. Bürgermeister Jürgen Kappenstein zeigt sich zuversichtlich ("es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, aber wir schaffen das!"), Amtsleiter und weitere Mitarbeiter des Organisationsteams melden sich zu Wort und machen deutlich, dass die Ketscher es verstehen zu feiern, dass es an Rum nicht mangelt und dass es ein buntes Spektakel auf dem Marktplatz geben wird. Dort ist unterdessen - dank tatkräftigem Einsatz der Ketscher Feuerwehr - das Schiff der "Luxe" aus Altlußheim wohlbehalten in Ketsch angekommen.
11 Uhr: Der Marktplatz ist nicht wiederzuerkennen: Eine Insel mit Goldschatz, Flaschen, Netzen, Lagerfeuer und Muscheln ist entstanden, umrahmt von zwei kleinen Spelunken - ein Hauch von Hollywood weht durch die laue Luft. Am Schiff wird noch gearbeitet, die Schatzkarte (von den Kindern der Kernzeitbetreuung der Neurottschule gezeichnet) wird aufgehängt.
12 Uhr: Tausende gut gelaunter Piraten (der jüngste ist gerade mal eine Woche alt) haben sich dicht an dicht auf dem Marktplatz versammelt. Ein Durchkommen ist fast nicht mehr möglich. Sogar Kindergartenkinder aus Oftersheim sind mit dem Bus nach Ketsch gefahren, um die Wette zu unterstützen.
Captain Jack Sparrow alias Jürgen Kappenstein hisst auf dem zwölf (!) Meter langen Schiff wie befohlen die Piratenflagge - begleitet von donnerndem Applaus und "Ketsch"-Rufen. Die Moderatoren Dani und Jens sind begeistert von der Kreativität der Bürger und geben zu: "Alle Vorgaben wurden erfüllt. Ketsch hat die Wette gewonnen!"
Als Belohnung lockt nun eine finanzielle Unterstützung für den geplanten BMX-Parcours.
12.30 Uhr: Freibier fließt, die Piraten feiern, Schoko-Goldtaler werden verteilt und von allen Seiten ist Lob für das stilechte Ambiente und die Liebe zum Detail zu hören. Die Begeisterung ist spürbar und brennt heißer als die 26 Grad, mit der Petrus verwöhnt. Umringt von der Menge steht "Captain" Jürgen Kappenstein: "Ich bin stolz auf die Ketscher und unseren Zusammenhalt!"
© Schwetzinger Zeitung - 08.10.2009
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