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Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil am 26. April 2011.

Karl-Frei-Halle: "Praxis-Parcours" sollen jungen Schülerinnen aus der Region Spaß an technischen Berufen vermitteln

Frau und Technik passen wohl

Von unserem Mitarbeiter Volker Widdrat

Oftersheim. "Verbinde Piepser, Taster und Batterie mit Kabeln, der Taster muss nutzbar sein", lautet die nicht ganz einfache Aufgabe, doch Celina Zimmermann, Michelle Schweizer und Meral Tutcu erledigen alles zügig und ohne Fehler. Die Schülerinnen aus der 8. Klasse der Ketscher Neurottschule brauchen keine Hilfe, Konrektor Joachim Rumold muss nur zuschauen. Dann wandern die Mädchen weiter zur nächsten Station.

Frauen und Technik, das scheint noch für viele ein Widerspruch zu sein. Und Mädchen, die mit technischen Dingen selbstverständlicher umgehen als ihre männlichen Altersgenossen, trauen sich oft nicht, einen technischen Beruf zu ergreifen.

"PraxisParcours" ist der Titel eines Projekts, das Schülerinnen technische Berufe erlebbar und begreifbar machen und gezielt weiblichen Nachwuchs für zukunftsträchtige technische und handwerkliche Berufe gewinnen möchte. Die von der evangelischen Gesellschaft (eva) im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg durchgeführten Veranstaltungen werden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) sowie der Bundesagentur für Arbeit gefördert.

20 Stationen, 400 Schüler

Der Parcours mit seinen 20 Stationen ist an diesem Morgen in der Karl-Frei-Halle aufgebaut. Rund 200 Jungs waren an zwei Tagen bereits dran, jetzt sind viele der fast 190 Mädchen, alles Schülerinnen der Oftersheimer Theodor-Heuss-Schule, der Schillerschule Brühl und der Neurottschule Ketsch sowie der Humboldtschule Plankstadt, an den Übungsplätzen zugange. Jede Aufgabe wird mit mindestens vier bis sechs Plätzen angeboten, so dass alle Teilnehmerinnen gleichzeitig beschäftigt sind. Mit der Unterstützung von Lehrkräften werden die Aufgaben gelöst. Nach vorgegebenen Punkten bewerten die Jugendlichen eigenverantwortlich ihre Fähigkeiten und Interessen.

"Das ist ein bisschen schwer, weil man doch viel Kraft braucht", sagt Melissa Farinato, die in der einen Hand ein Kabel und in der anderen eine Zange hält. Die Schülerin aus der 8a der Theodor-Heuss-Schule arbeitet Hand in Hand mit ihrer Klassenkameradin Saskia Heid. Die beiden Mädchen sollen ein Elektrokabel montieren, beide Kabelenden rund vier Zentimeter abisolieren und mit Lüsterklemmen verbinden.

Am Vorabend waren die Eltern zu einem Informationsabend eingeladen, an dem Berufsberaterin Miriam Knemöller, Johannes Knauber von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Autolackierer Harald Helfrich, der Oftersheimer Metzgermeister Kücherer, die Schulleitung und das Projektteam als Referenten zur Verfügung standen und jede Menge Fragen beantworteten.

Frühzeitig Potenzial erkennen

"Die Eltern spielen die wichtigste Rolle bei der Berufswahl ihrer Kinder", sagt Konrektorin Alexa Schäfer und freut sich über die Resonanz. Das Projekt fördere ganz gezielt frühzeitig das Potenzial begabter und interessierter Mädchen.

Dabei werde die besondere Situation von Mädchen und jungen Frauen in technischen Berufen berücksichtigt, "indem sie darauf vorbereitet werden, die spezifischen Situationen selbstbewusst und souverän zu bestehen", erläutert Martina Ehrlich von der evangelischen Gesellschaft.

An einem Tisch wird eingedeckt, für eine Person, die Mädchen falten dazu Servietten zu Fächern. An einer anderen Station müssen zwei Winkel mit vier Schrauben, vier Muttern und acht Unterlegscheiben montiert werden, die Aufgabe zielt auf das Berufsbild der Mechatronikerin ab. "Das Loch vor dem Bohren ansägen", lautet eine Anweisung an der Station für den Beruf der Tischlerin oder Holzmechanikerin.

Stefanie Will und Yva Murad brennen mit einem Lötkolben ihre Namen in ein Stück Holz. Die beiden Achtklässlerinnen von der Brühler Schillerschule fertigen einen Schlüsselanhänger, bohren Löcher, sägen Holz zurecht und schleifen mit Schmirgelpapier alles glatt. Stefanie will einmal Hebamme werden, Yva lieber Ärztin. Trotzdem mache die Arbeit im Praxisparcours viel Spaß, so die beiden Schülerinnen - und einen Schlüsselanhänger kann man schließlich immer gut brauchen.

Für die meisten Teilnehmerinnen bedeutet die Aktion in der Karl-Frei-Halle zwei Stunden konzentriertes Arbeiten. Diejenigen Teilnehmerinnen, die beim Parcours ein besonderes Interesse für technische Berufe gezeigt haben oder speziell dafür begabt sind, werden noch zu einem Behauptungs- und Bewerbertraining in zwei Wochen eingeladen. Hier werden sie darauf vorbereitet, spezifische Situationen in männerdominierten Berufen selbstbewusst und souverän zu bestehen, erklärt Martina Ehrlich. Dadurch werden der Einstieg und der langfristige Verbleib in diesen Berufen realistischer. Und dann würden vielleicht auch andere merken: Frauen und Technik, das sind zwei Begriffe, die gut zusammenpassen!

 



© Schwetzinger Zeitung - 26. Arpil 2011

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