

Die Schwetzinger Zeitung schrieb in ihrem Ketscher Teil
am 09. November 2011.
Pilotprojekt: Ketscher Neurott-, Brühler Schiller- und Schwetzinger Hildaschule sind an einer bundesweiten Aktion für fächerübergreifende Beschäftigung mit Kunst im Unterricht beteiligt
Von unserem Redaktionsmitglied Markus Wirth
Ketsch/Brühl/Schwetzingen. "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir" - das wussten bereits die alten Römer. Freilich gibt die Schule das Rüstzeug, sich für die Zukunft möglichst gut und ohne Probleme behaupten zu können, doch auch die möglichst frühe und gezielte Förderung der eigenen Kreativität, die vielleicht bislang etwas zu kurz kam, ist mindestens ein ebenso wertvoller wie nützlicher Baustein auf dem Weg in die Zukunft.
Gerade hier möchte die Aktion "Kulturagenten für kreative Schulen" ansetzen, ein gemeinsames Modellprogramm der gemeinnützigen Forum K&B GmbH, initiiert durch die Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator - und in Zusammenarbeit der an der Aktion beteiligten Bundesländer Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen und deren Kultusministerien. Am gestrigen Dienstag nun wurde dieses Programm, an dem mit der Neurottschule, der Brühler Schillerschule und der Schwetzinger Hildaschule, da sie sich dafür beworben und ausgesucht worden waren, auch drei Lehranstalten aus unserem Verbreitungsgebiet teilnehmen dürfen, vorgestellt.
Die Schulleiterin der Neurottschule, Angelika Krieger, begrüßte mit Susanne Rehm, der Leiterin des Landesbüros Baden-Württemberg der "Kulturagenten für kreative Schulen" und dem als Kulturagenten für die drei genannten Schulen ausgewiesenen Soziologen und Kulturwissenschaftler Nils Hoheußle zwei maßgeblich an der anstehenden Aktion zuständige Personen und stellte sie den Gästen, den Schulleiterinnen Florence Brokowski-Shekete und Birgit Ric sowie den anwesenden Kollegen und Bürgermeister Jürgen Kappenstein und Hauptamtsleiter Ulrich Knörzer vor.
Als Stellvertreter der Gemeinde Brühl war Hauptamtsleiter Lothar Ertl, aus Schwetzingen Kulturbeauftragte Dr. Barbara Gilsdorf anwesend. Susanne Rehm ging nochmals auf die Überlegungen ein, die diesem Projekt, welches auf die kommenden vier Jahre beschränkt sein wird, zugrunde lagen. "Unser Ziel soll es sein, Kunst und Kultur in den Schulen fest zu verankern, und dies nicht nur temporär abgegrenzt, sondern nachhaltig". Sie unterstrich nochmals die Notwendigkeit, gerade Schülern der Sekundärstufen - außer den Gymnasien - den kulturellen Bereich näherzubringen, gerade auch weil es das jeweilige Elternhaus nicht könne oder wolle.
"Keine Schule ist wie die andere, daher wollen wir gezielt vor Ort schauen, wie wir die Schüler abholen und an die Kultur heranführen können", führte Rehm aus, betonend, es handle sich nicht nur um die sogenannte "Hohe Kultur", sondern auch um Kulturformen wie Graffiti oder Hip-Hop-Tanz, "Dinge, die die jungen Leute beschäftigen, mit denen sie sich am ehesten identifizieren können", so Rehm.
Nils Hoheußle, der sich um die drei Schulen in den drei Gemeinden künftig um die Vermittlung und Verwirklichung des Projekts kümmern wird, hob hervor, als Künstler kenne er die Schnittstelle zwischen der Kultur und den Lehranstalten - "und hier war es nicht immer zum Besten bestellt", so Hoheußle.
Oft genug habe man aneinander vorbeigeredet oder jeweils nur, wenn überhaupt, seine Partikularinteressen vertreten. An der Front sozusagen diese Konflikte zu schultern, dafür sei nun dieses Projekt da.
Er werde und wolle an der Basis sozusagen ausloten, was vorhanden ist und wo man die vorhandenen Ressourcen nutzen könne. Die Maßnahmen und Projekte, unterstrich Susanne Rehm, sollten und dürften sich nicht nur auf die Fächer Musik und Darstellende Kunst beschränken, sondern interdisziplinär auch weitere Fächer tangieren. "Die Schulen sollten auch selbst über die eigenen Strukturen nachdenken, wo man in diesem Bereich noch tätig werden kann", hob Hoheußle hervor und ermunterte die in diesem Raum anwesenden Lehrer, sich aktiv einzubringen. "Sie als Kulturbeauftragte", sagt er an die Pädagogen gewandt, "sind mein Sprachrohr".
© Schwetzinger Zeitung - 09. November 2011
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